Führungskräfte spüren zwar früh, wenn das Geschäft stagniert und Veränderungsbedarf in der Luft liegt. Sie hüllen sich jedoch oft in Schweigen und verteidigen sogar den Status Quo — selbst externen Beratern gegenüber: Im Omertà-Dilemma* wird das Schweigen zum Wert an sich, und es ist schwierig zu knacken.

* Omertà: Ungeschriebenes Gesetz des Schweigens, z. B. als Teil des „Ehren“-Kodex der Mafia.

Die Omertà von innen knacken

Viele Führungskräfte würden uns zustimmen, wenn wir sagten, dass eine starke, harmonische Unternehmenskultur und aufeinander eingespielte, homogene Führungsmannschaften unabdingbar für Erfolg eines Unternehmens sind.

Bei genauerem Hinsehen jedoch zeigt sich immer wieder, dass gerade diese Faktoren das Omertà-Dilemma erzeugen und weiter verstärken:

  • Eingespielte und homogene Führungszirkel agieren auf Basis von gemeinsamen, oft unausgesprochenen, Wertvorstellungen und Ritualen. Unangenehme Themen werden in einen Mantel des Schweigens gehüllt – schließlich möchte man die anderen Mitglieder der „famiglia“ nicht verletzen.
  • Je stärker die Unternehmenskultur, umso weniger durchlässig ist sie für Veränderungsbedarf, zum Beispiel wenn sich wirtschaftliche Rahmenbedingungen ändern. Das wohl deutlichste Beispiel jüngster Zeit ist Nokia, die den Trend zum Smartphone „verschlafen“ haben.

Der logisch scheinende Ausweg: Einen externen Berater ins Unternehmen holen! Aber wenn dieser sich vor die Mannschaft stellt und Tacheles redet – „man müsse doch miteinander reden!“ und „unangenehme Themen auch ansprechen!“ – dann folgt als nahezu sichere Reaktion Empörung und Verbrüderung. Die Energie richtet sich darauf nachzuweisen, dass der Berater unrecht hat, und in Folge verstärken sich die schädlichen Muster noch weiter.

Die Omertà kann nur von innen „geknackt“ werden, und es ist Ihre Aufgabe als Führungskraft, den ersten Schritt zu gehen, zum Wohle aller.

Zugvogel-Impuls des Monats: Das Zeugenschutzprogramm

Stellen Sie sich vor: Sie sitzen im Teammeeting, und alle reden um den großen Topf mit dem heißen Brei herum. Dort brodeln zum Beispiel die seit Monaten steigenden Fehlzeiten, oder der aggressive Konkurrent, der Sie schon vor Monaten überholt hat. Alle wissen darum, doch keiner spricht es an, bis …

… bis dann ein junger Teamleiter beiläufig bemerkt: „Unsere Lieferzeiten sind drei Wochen länger als die unseres Konkurrenten. Wie verkürzen wir die Rückstandsliste?“

Peng. Alle zucken kurz zusammen, es folgt betretenes Schweigen. Jemand hat den Brei beim Namen genannt, ein existenzielles Problem angesprochen. Die Omertà-Falle schnappt zu: Das Thema wird vertagt, übergangen oder mit einer plausibel scheinenden Erklärung abgetan. Schlimmer noch: Sie bemerken, dass auch Sie selbst zusammenzucken und schweigen, denn Sie sind Teil des Systems, und … wieso am Brei verbrennen? Vielleicht verschwindet er ja, wenn wir lange genug nicht hinschauen?

Natürlich wissen Sie, dass dieses Team-Muster schädlich ist. Deshalb hier ein nützlicherer Impuls für Sie als Führungskraft:

Nehmen Sie den „Störer“ in ein Zeugenschutzprogramm auf. Geben Sie ihm das Wort, nehmen ihn vor Attacken in Schutz und sorgen dafür, dass das Thema auf dem Tisch bleibt. Nutzen Sie diese Situation nicht für Kritik, sondern für eine ruhige Analyse des Problems. Alle Teilnehmer der Runde müssen lernen, dass es nicht gefährlich ist, ein Problem anzusprechen. So können Sie Schritt für Schritt die Runde öffnen und zu einem ehrlicheren, offeneren Austausch kommen, der Allen nützt.

Was uns beschäftigt: Aktuelle Projekte im Blitzlicht

Profitabilitätssteigerungsprojekt in mittelständischem IT-Unternehmen: Eine sehr erfolgreiche Wachstumshistorie hat den Blick auf Performanceprobleme über Jahre verstellt, und man hat sich dran gewöhnt. Nachdem sich das nun Wachstum verlangsamt hat, treten diese Probleme schmerzlich in den Vordergrund. Mit dem Führungsteam arbeiten wir nach dem Zugvogel-Modell, analysieren allzu gewohnte Abläufe und finden Schwachstellen. Hieraus entwickeln wir nicht etwa eine globale „Königsmaßnahme,“ sondern eine Vielzahl von kleinen, aufeinander abgestimmten Maßnahmen, um nötige Veränderungen zu bewirken.